Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Goodies Artikelserien Everything is miscellaneous 0 - Information im Raum

Everything is miscellaneous

Exzerpte und Gedankensplitter zu David Weinbergers neuem Buch. Aber zur Vorsicht eine Warnung: Ich halte mich nicht streng an den Text, sondern ergänze ihn mit eigenen Gedanken, ziehe anderes - das ich wo anders gelesen, gehört habe mit ein - und schweife auch manchmal ganz vom Thema ab.

0 - Information im Raum

Im Prolog weist Weinberger auf grundsätzlichen Unterschiede zwischen der realen Welt der Atome und Moleküle und der virtuellen Welt der Bits und Byte hin. Als didaktisches Beispiel zur Einführung in die komplexe Thematik dient ein Supermarkt.

Siehe zu dem nachfolgenden Text auch meinen ähnlichen - aber ganz anders strukturierten Eintrag in meinem Weblog.

Suchen und Finden in der Welt der Atome und der Moleküle

Ein Supermarkt hat nur begrenzten Platz. Wie sollen die Waren gelagert werden, dass sie möglichst optimal angeordnet sind. BTW: Das stoßen wir gleich auf das erste Problem. Optimal für wen? Optimal für die Kundin, die alles was sie braucht schnell finden will, oder optimal für die Managerin des Supermarktes, die  möglichst viel verkaufen will? Das ist nicht immer dasselbe. Wir können hier also gleich mal eine "mental Note" für später machen: Neutrale, objektive Kriterien zur Einteilung der Welt der physikalischen Objekte gibt es nicht: Je nach Standpunkt, Kultur, Interessenslage etc. kann es hier ganz unterschiedliche Perspektiven geben. Aber wir wollen unserem Thema hier nicht vorgreifen: Gehen wir mal davon aus, dass es zwischen Kundin und Supermarktmanagerin vor allem eine große Gemeinsamkeit gibt. Und die gibt es ja tatsächlich: Niemand - weder Kundin noch Managerin - hat etwas davon, wenn die Kundin ein von ihr gesuchtes Produkt nicht findet und den Laden mit leeren Händen verärgert wieder verlässt.

Die von Weinberger befragte Managerin teilt ihre Kunden in 2 große Gruppen: Jene, die bereits wissen, wo das von ihnen gesuchte Produkt sich befindet (etwa 40%) und jene, die es nicht wissen (60%). Etwa ein Drittel der KundInnen fragt notfalls Angestellte, ein Viertel macht das jedoch nie, sondern versucht sich mittels der Beschilderung zu Recht zu finden.

[In welche Gruppe gehören eigentlich Sie? Ich gehöre zu den Fragern - allerdings finde ich neuerdings in modernen Supermärkten weder Waren noch Verkäuferinnen zum Fragen. Aber trotzdem: Notfalls kämpfe ich mich bis zur Kassa vor: Gott-sei-Dank gibt es ja dort doch noch immer Humans. Falls sich das mal durch den wohlgemeinten technischen Fortschritt ändern sollte, habe ich schon meine Strategie ausgearbeitet: Ich stecke dann - nachdem ich mich vorsichtig nach allen Seiten umschaue - ein x-beliebiges Produkt in meine großen Manteltaschen. Ich habe nämlich in einem TV-Bericht kürzlich gesehen, dass wir alle ständig durch Videos überwacht werden und - da die Software zur Bilderkennung noch zu wünschen übrig lässt - sich in den Hinterzimmern immer noch Menschen (Kaufhausdetektive) aufhalten. Um Missverständnisse zu vermeiden sollte man vielleicht ein Zeichen einführen, das Kunden geben können, um die freundlichen Aufpasser in den Hinterzimmern zu Hilfe zu rufen. Vielleicht ausbereitete Arme mit herunter gezogenen Schultern? Weil die Kameras aber recht gut versteckt sind, und dieses Signal in verschiedenen Perspektiven nicht gleich gut wahrgenommen werden kann, sollten wir uns dann wie bei einer Pirouette uns um 360o drehen. Allerdings müssten dann die Kaufhausdetektive darauf ausgebildet werden, zu wissen wo sich die von mir gewünschten Produkte im Supermarkt befinden. Aber ich komme vom Thema ab.]

Apropos Beschilderung - Mit der Verwendung von Etiketten tauchen gleich mehrere neue Probleme auf:

  1. Schilder sind selbst ein physikalisches Objekt und können daher nicht beliebig groß gemacht werden, weil sie dann die Sicht auf die dahinter liegenden Waren verstellen.
  2. Auf kleine Schilder lässt sich aber nur wenig drauf schreiben.
  3. Außerdem soll das Ganze auch möglichst in Augenhöhe angebracht werden

Hinweisschilder können daher nur sparsam verwendet werden, sie würden ja auch sonst ihren Zweck - nämlich die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, verlieren. Wir würden dann nicht mehr nach Waren selbst suchen, sondern nach ihren Hinweisschildern, ihren sogenannten Metadaten – um hier gleich mal einen Fachterminus - den wir später noch brauchen werden - didaktisch geschickt einzuführen :-)

Die Körperlichkeit von Waren hat auch noch die unvermeidliche Eigenschaft, dass sie einerseits Platz beansprucht und natürlich der Lager- und Stauraum eines Supermarktes beschränkt ist. Andererseits kann eine Ware nur auf einem ihr zugewiesenen Platz sein, eine andere Ware muss darüber, darunter, dahinter, davor angeordnet werden. Manche Waren sind (körperlich) näher als andere, manche kann ich von meinem Platz ergreifen, bei anderen muss ich einen langen Gang hinterlaufen, mich bücken oder anderweitig verrenken. Die Welt der Atome ist mühsam und begrenzt.

Suchen und Auffinden in der Welt der Bits und Bytes

Ich glaube, Sie merken schon worauf ich hinaus will? In der virtuellen Welt ist alles ganz anders: Das versucht die nachfolgende Weinberger inspirierte aber von mir entwickelte Tabelle zu verdeutlichen:

Die Welt der Atome (Realität)
Kriterium
Der Welt der Bits (Virtualität)
Atome sind physikalische Objekte und brauchen Raum
Raum
Bits sind digitale Informationen und brauchen keinen Raum
Physikalische Objekte sind räumlich unterschiedlich entfernt
Entfernung
Alle Informationen sind bloß einen Mausklick weit entfernt
Alle Objekte sind für alle Menschen gleich angeordnet
Layout,
Anordnung
Die Darstellung der Information kann den Bedürfnissen angepasst werden
Wegen begrenzten Platz ist auch die Anzahl physikalischer Objekte selbst begrenzt
Zahl
Die digitalen Welt ist unbeschränkt, es sind beliebig viele Elemente und Variationen möglich
Objekte müssen trennscharf in nur eine Kategorie eingeordnet werden
Trennung Informationen können in beliebig vielen Kategorien gleichzeitig  vorkommen
Die Objekte müssen nach genau festgelegten Kriterien vorweg ausgewählt werden
Zeitpunkt
des Filters
Ob ein Element tatsächlich benötigt wird, stellt sich erst im Nachhinein heraus
Um auffindbar zu sein, müssen Objekte fein säuberlich systematisch geordnet werden
(Un)Ordnung
Digitale Information wird mit Suchmaschinen gefunden und braucht daher nicht geordnet zu werden
Vorweg festgelegte Kategorien sind die Grundlage der Systematik
Prioritäten
Es sind keine a priori festgelegten Kategorien für ein Ordnungssystem notwendig
Die festgelegten Kategorien müssen starr und ohne Ausnahmen durchgängig eingehalten werden
Prinzip
-losigkeit
Kategorien können beliebig ergänzt, verändert oder auch geändert werden

Artikelaktionen

AddThis Social Bookmark Button

Library Thing
 

Für Mikrokredite über Kiva können Sie hier Ihr Logo verlinken.

Taschen, Rucksäcke und Schulranzen