Argumente für Open Access
Die Grundidee der Open Access Bewegung
Ein ganz wesentliches Argument für Open Access ist die ungeheure Verteuerung der wissenschaftlichen Zeitschriften in den letzten Jahren, die unter den Namen "Serials Crisis" bekannt geworden ist. Daraus haben sich notgedrungen Strategien seitens der Community (Universitäten, Bibliotheken und WissenschaftlerInnen-Gemeinde) entwickelt.
Eine Ausgangspunkt für die Open Access Bewegung ist die enorme Preissteigerung der Journale in den letzten 5 Jahren. Cambride University Press mit 27% Preissteigerung in fünf Jahren ist hier noch am unteren Rand gegenüber z.B. Sage mit 94% (!) im selben Zeitraum (p.9, siehe auch ARL und LISU). Den Bibliotheken antworteten auf diese horrende Teuerung (die seitens der Verlage unter anderem mit der größeren Anzahl von publizierten Beiträgen, also dickeren Journalen begründet wird) mit verschiedenen Strategien:
- Stornos von Zeitschriftenabos
- Umschichten des Bibliotheksbudget
- Paket-Deals mit Verlagshäusern
Nicht für den Zugang sondern für die Publikation zahlen!
In dieser ökonomischen Zwangslage der Universitätsbibliotheken ist es daher kein Wunder, wenn der finanzielle Vorschlag der Open Access Bewegung auf Umschichtung der Kosten auf fruchtbaren Boden fällt. Statt den Bezug (Access) zu bezahlen, sollen die Zeitschriften durch die Publikation finanziert werden. AutorInnen bzw. die Institutionen, denen sie angehören, sollen für die Veröffentlichung des Beitrages bezahlen und zwar nicht wenig: (1.000 bis 1.700 US Dollar!)
Das scheint einigermaßen absurd zu klingen: Statt nach der schweißtreibenden Mühe einen Artikel zu schreiben, der nach einem langwierigen und aufwendigen Verfahren ( double blind review) endlich akzeptiert wird, sich über dessen Veröffentlichung zu freuen, muss nun noch ordentlich finanziell hinzugelangt werden. Aber diese Idee ist nicht so verrückt, wie sie klingen mag. Die großen Universitäten der reichen Nationen, mit hohen Forschungsetat und vielfältigen Forschungsförderungen können die Publikation leichter verkraften als kleine Unis von Entwicklungsländern. Ergebnisse der öffentlich geförderte Forschung sollen für alle verfügbar sein. Die Finanzierung erfolgt nicht durch die Ausleihe oder Abonnements (Subskription), sondern durch Finanzierung der Publikation.
Selbstarchivierung in Repositorien
Gleichzeitig sollen die AutorInnen nicht alle ihre Rechte an die Verlage abtreten und auf jeden Fall schon vorher ihre Beiträge als Preprints in Repositorien archivieren ("self-archiving"). Das Hinaufladen auf institutionelle oder persönliche Websites ist nicht ausreichend. Es werden Repositorien benötigt, die dem Standard der Open Archive Initiative genügen. Es handelt sich um ein Protokoll zum "Ernten" von Metadaten (Open Archive Initiative Protocoll for Metadata Harvesting, OAI-PMH). Damit wird es erst ermöglicht, dass weltweit, quer über alle Archive die entsprechenden Suchmaschinen erfolgreichen arbeiten können. Ein gutes Beispiel dafür ist EPrints eine Open Source Software zum Archivieren wissenschaftlicher Beiträge.
Open Access heißt weder, dass der Peer Review umgangen werden soll noch, dass es eine Art der Selbstpublikation darstellt. Open Access verlangt vielmehr, dass vier grundlegende Forderungen erfüllt sind:
- Digitalisierter Text (Datei)
- Online zugänglich und auffindbar (OAI-PMH)
- Kostenlos
- Keine oder wenig Copyright Restriktionen (Creative Commons Lizenz).
Und diese Forderungen sind völlig unabhängig davon, dass die Artikel über Peer Review einer Qualitätskontrolle unterzogen werden.
Nachwort
Ich habe mit einem kleinen Artikel von 10 Seiten begonnen. Ursprünglich hatte ich geplant während der Weihnachtsferien 2006 alle Beiträge des Buches zu exzerpieren. Im Zuge der Recherchen zum ersten Beitrag bin ich bereits immer tiefer ins Feld "gefallen" und habe schließlich bereits zu Beginn eine Art Rundumschlag zum Thema Open Access durchgeführt. Und das mit einem Beitrag, den ich anfangs überhaupt nicht besonders spannend gefunden habe.
Das Thema ist interessant und keinesfalls ausgereizt. Der Swan-Beitrag - der ja als erster Buchbeitrag in gewisser Weise als ein Überblick gedacht war - ist sicherlich eine Ausnahme, weil er mich als Neuling mit allen Facetten des Thema bereits vertraut gemacht hat. Ich erwarte nicht, dass ich jetzt bei allen anderen Beiträgen ebenso ausführlich recherchieren (und schreiben) muss. Vieles wird sich wiederholen bzw. wird eine Konkretisierung bereits formulierter Argumente sein.
Leider muss ich dieses interessante Thema jetzt vorerst mal zur Seite legen. Die Ferien gehen langsam zu Ende und ich muss mich wieder auf das operative Tagesgeschäft meines Jobs konzentrieren. Mal sehen, wenn ich wieder dazu kommen, den ausgerollten Faden weiter zu verfolgen.
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