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Argumente für Open Access

Exzerpte aus dem Sammelband Jacobs, N., Hg. (2006). Open Access: Key Strategic, Technical and Economic Aspects. Information Professional Series. Oxford, Chandos Publishing.

Impact Factor

Früher waren die Bewertung der Forschungsleistung meistens durch eine recht subjektive Einschätzung durch die KollegInnen geprägt. Herangezogen wurde dabei meistens die Anzahl von als wertvoll eingeschätzten Publikationen. Diese "Experten Evaluierung" war weder wiederhol- noch operationalisierbar und hat eher Popularität und Prestige statt Forschungsqualität ausgedrückt. Mit dem von Eugen Garfield entwickelten Impact Factor wurde erstmals eine objektive Grundlage geschaffen. Aber auch der Impact Factor hat einige wesentliche Unschärfen.

Mit dem Institute for Scientific Informationen (ISI) – später Thomson ISI und jetzt Thomson Scientific – wurde erstmal eine objektivierte Maßzahl entwickelt. Dieser Zitierindex (Citation Index) wurde von Eugen Garfield zuerst für die Naturwissenschaften (Science Citation Index, SCI), dann für die Sozialwissenschaften (Social Sciences Citation Index, SSCI) und erst kürzlich für Kultur-und Geisteswissenschaften (Arts and Humanities Citation Index, AHCI) entwickelt.

Die Berechnung dieser Indices ist ein kompliziertes Verfahren (Bibliometrics und Sientometrics beschäftigen sich damit) und es gibt mehrere Ansätze dafür. Im allgemeinen werden sie retrospektiv rückgerechnet indem untersucht wird, welche Zeitschriften am meisten zitiert werden und daher die größte Bedeutung (Impact Factor) haben. Es ist daher nur eine Näherung, weil der Impact Faktor immer auf die Ergebnisse der Vorjahre beruht. Daher wurde jetzt vom ISI als neue Maßzahl der "Unmittelbarkeitsindex" (Immediacy Index) entwickelt: Er zählt die Anzahl der Zitierungen bis zum Zeitpunkt der Nachfrage durch den Nutzer.

Der Formel für den Impact Factor ist die Zahl der Zitate des laufenden Jahres (also z.B. 2006) auf die Artikel der letzten beiden Jahre (2004 und 2005) dividiert durch die Anzahl der Artikel der letzten beiden Jahre.

Vorteile des Impact Factors

  • Ergebnisse (= Bedeutung der jeweiligen Zeitschriften) weit verbreitet, inzwischen Standard geworden.
  • Erster Versuch einer objektiven Kennziffer, die nicht bloß auf subjektive Wertung einzelner GutachterInnen rekurriert
  • Gute Deckung von Fachzeitschriften. Web of Science (WoS) bzw. Web of Knowledge (WoK, wie WoS jedoch noch gebündelt mit anderen Werkzeugen) umfasst:
    • Science Citation Index (SCI): 3.700 Zeitschriften aus 100 Disziplinen (etwa 60 Länder) wurden aus einer Gesamtheit von 5.800 Zeitschriften ausgewählt
    • Social Sciences Citation Index (SSCI): 1.700 Zeitschriften aus 50 Disziplinen wurden aus einer Gesamtheit von 3.300 Zeitschriften ausgewählt
    • Arts & Humanities Citation Index (A&HCI): 1.130 Zeitschriften wurden aus einer Gesamtheit von 7.000 Social Science und Technologiejournalen ausgewählt
(Zum Argument, warum aus den Journalen ausgewählt wird, siehe einen speziellen Artikel zum Auswahlprozess

.)

 

Nachteile des Impact Factors

Trotz der nun nicht mehr auf ganz so stark dominierenden naturwissenschaftlichen Ausrichtung (zuerst gab es nur den SCI) gibt ist weiterhin starke Kritik an dieser Maßzahl:

  • Der Index ist vorwiegend auf englisch-sprachige Journale ausgerichtet. Zwar sind 60 Länder erfasst, die meisten Journale sind jedoch in englischer Sprache. Selbst die Journale in anderen Sprachen sind nicht richtig bewertet, da die meisten ihrer Zitat aus dem eigenen - eben wenig berücksichtigten - Sprachraum stammen und daher nicht gezählt werden. Zeitschriften aus weniger entwickelten Ländern sind ebenfalls unterrepräsentiert.
  • Journale aus den angewandten Wissenschaften sind ebenfalls unterrepräsentiert. Dazu kommt noch, dass in bestimmten angewandten Wissenschaften die (Wissenschafts-)Sprache Englisch nicht unbedingt die dominierende Rolle - wie sie sich im ISI Impact Factor zeigt - hat.
  • Die Anzahl der Zitate hängt mit dem Grad der Publikationsintensität zusammen. Das ist aber nicht unbedingt ein Hinweis auf wissenschaftliche Qualität sondern eher auf trendy Themen. Dies wird teilweise durch einen anderen (Korrektur)Wert (den sog. Cited Half-Life Faktor) korrigiert.
  • Zeitschriften mit geringer Zirkulation (kleine ForscherInnen-Gemeinde) werden niemals hohe Impact Factor haben. Der absolute Wert sagt also recht wenig aus. Relative Werte geben daher besser die Stellung eines entsprechenden Journals innerhalb eines bestimmten Fachgebietes wider.
  • Das Zeitfenster für die Möglichkeit in die Kalkulation einbezogen zu werden, ist recht klein (3 Jahre). Das ist in Wissenschaftsbereichen mit einem langsameren Umschlag zu kurz. Umgekehrt werden wichtige Werke oft jahrzehntelang zitiert; auch dies erfährt im Impact Factor nicht die entsprechende Berücksichtigung.
  • Es gibt in unterschiedlichen ForscherInnern-Communities unterschiedliche Publikations- und Zitiergewohnheiten, daher ist der Impact Factor auf keinen Fall als Mass der "Wissenschaftlichkeit" unterschiedlicher Forschergemeinden anzusehen.
  • Der Index berücksichtigt Bücher zu wenig, die aber in den Sozial- und Geisteswissenschaften nach wie eine große Bedeutung und hohe Reputation haben. Aus diesem Grunde wird auch kein Journal Citation Report (JCR) für die Künste und Geisteswissenschaften publiziert.
  • Der Index berücksichtigt andere Forschungsleistungen wie Konferenzen, Forschungsnetzwerke, Drittmittel und Patente nicht.

Zusammenfassung

Der Impact Factor darf also keinesfalls weder als alleiniges Maß für die Bewertung von Wissenschaftsgruppen oder gar einzelner WissenschaftlerInnen genommen werden. Der Vergleich von absoluten Werten ist überhaupt sinnlos. Damit werden die Unterschiede im Stil der Forschung der einzelnen Wissenschaftszweige nicht berücksichtig und es kommt zu einer Überrepräsentation experimenteller Forschung in Gebieten mit einer großen Community und hoher Publikationsdichte (Physik, Chemie, Medizin).

Möglicherweise wird traditionelle Indexberechnung des ISI dürfte mit den freien und über das Web (Webometrics) zugänglichen alternativen Indexingmethoden unter anderem z.b. von Google Scholar an Bedeutung verlieren. Während der Impact Factor immer ein retrospektives Maß darstellt weist Google Scholar in die Zukunft und verweist auf Stellen, die einen bestimmten Artikel zitiert haben. Es wird an einer Reihe anderer neuer Indices gearbeitet. So wurde z.B. gezeigt, dass die Anzahl Downloads eine wichtige Maßzahl darstellt, weil sie eine Voraussage über die zukünftige Anzahl von Zitierungen zulässt.

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