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18.07.2010
Den Faden wieder aufnehmenManagen und forschen: Ein Versuch der KonfliktlösungSolange wie diesmal habe ich wohl noch nie Pause von meinem Weblog gemacht: 4 1/2 Monate! Allerdings gab es 9 Berichte von Aktivitäten auf der Einstiegsseite (= der Nachrichtenseite), die ich – entgegen früherer Gewohnheiten – zum Teil auch mit kritischen Inhalten und Reflexionen versah. Trotzdem: 16 Wochen ohne Weblogeintrag, das gab es bisher noch nie! Wie schon bei früheren Unterbrechungen signalisiert auch diese Pause einen Umbruch, eine Neuorientierung in meiner Arbeit. Und wie es schon die außerordentliche Länge der Zeit signalisiert, einen Umbruch größeren Kalibers. Management und Forschung – zwei unterschiedliche Karrieren
Nach einer recht langen, 3 Jahre dauernden, aber erfolgreichen Aufbauarbeit als Leiter des Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien (IMB), die mich überwiegend in der Rolle eines Wissenschaftsmanager forderte, glaube ich nunmehr (Herbst/WInter 2009) die Zeit gekommen, mich wieder verstärkt den Inhalten, meiner eigenen Forschungstätigkeit widmen zu können. Eine Illusion wie sich recht bald herausstellte:
Diese schleichende Verschiebung zu vermehrten Tätigkeiten im Management ist mir jedoch erst im März/April durch körperliche Warnsignale (Burnout-Symptome) deutlich geworden. Die doppelte Belastung, die einerseits in einer verstärkten wissenschaftlichen Anstrengung an meinem Buchprojekt ("E-Learning Szenarien: Ein Plädoyer für didaktische Vielfalt") als auch in vermehrter Gremienarbeit bestand, konnte ich nicht mehr ignorieren oder weg stecken. Eine radikale Neuorientierung und damit einhergehende Verringerung der Arbeitsbelastung von meiner damaligen 70-90 Stundenpensum pro Woche war dringend notwendig geworden! Entscheidung zugunsten des Managements
Meine letztliche Entscheidung war mit einer Zeit der Trauer verbunden: Ich habe nicht nur radikal externe Termine eingeschränkt, sondern auch mein Buchprojekt für dieses Jahr – und wahrscheinlich auch für die nächsten Jahre – aufgegeben. Obwohl mir das Arbeiten am Buch wahnsinnig viel Spass gemacht hat und ich es auch als "verdienten" Ausgleich für meine – oft nicht besonders geliebten – Managementtätigkeiten angesehen habe, wurde dadurch ein extremer psychologischer aber auch körperlicher Druck (Schlafentzug) aufgebaut. Nach meiner Entscheidung – die auch mit einer Restrukturierung meiner Terminplanung gekoppelt war – fühlte ich eine unglaubliche seelische Erleichterung und konnte – nachdem ich meine Traurigkeit überwunden hatte – wieder die ohnehin karge Freizeit genießen. Heute bin ich mir bewusst, dass ich in meiner eigenen inhaltlichen Forschungsarbeit "kleinere Brötchen backen muss" und dass die Managementaufgaben nicht nur sehr zeitaufwändig sind sondern auch ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten und Wertigkeiten haben. Meine frühere Einstellung war dadurch gekennzeichnet, dass ich das Managen als eine störende Aufgabe ansah, die möglichst schnell zu erledigen war, damit ich mich endlich den "eigentlichen" Aufgaben (der Forschung) widmen kann. Die Folge davon war ein unheimlicher doppelter Druck: Die Managementaufgaben möglichst schnell und komprimiert zu erledigen, damit ich die (wenige) "gewonnene" Zeit für Forschung verwenden könne. Weil aber Forschungsergebnisse sich nicht alleine in Arbeitsstunden messen lassen, war auch die Forschungszeit selbst einem enormen Druck ausgesetzt (schnell und effektiv lesen, jede freie Minute nutzen etc.). Regeln in der Terminplanung
Ich habe ja schon mehrmals "gute" Vorsätze zur Terminplanung gefasst, die sich jedoch alle wieder in relativ kurzer Zeit in Luft aufgelöst haben. Diesmal aber bin ich durch die Einführung einiger strikter Regelungen extrem positiv gestimmt und habe den Eindruck, dass es diesmal klappen könnte:
Diese Regelungen bei der Terminplanung haben natürlich dazu geführt, dass es einerseits schwieriger geworden ist, bei mir einen Termin zu bekommen und andererseits die Tage Dienstag bis Donnerstag zu eng geplanten und effizient durchgeführten Terminmarathons mutiert sind. Dass ich nun nicht jederzeit zur Verfügung stehe und Wartelisten bzw. Termine auf Wochen manchmal sogar auf Monate geplant werden müssen, hat mir anfangs psychologische Probleme in meiner inneren "Kundenorientierung" gemacht: Ich wollte nie einer der kaum ansprechbaren, selten erreichbaren ProfessorInnen sein, wie ich sie aus meiner Studienzeit kannte. Aber in der Zwischenzeit denke ich nicht nur egoistisch daran, dass es meine Gesundheit ist, die hier strapaziert wird, sondern gehe ich auch davon aus, dass meine MitarbeiterInnen, Studierenden, KollegInnen etc. meistens etwas von mir wollen (und nicht ich von Ihnen) und selbst nicht meinen Termindruck haben und sich daher nach meiner verfügbaren Zeit richten müssen und auch können. Forschung: Nicht aufgeben, aber die Ansprüche reduzierenUm Missverständnisse zu vermeiden: Meine Entscheidung für die explizite Wahrnehmung von Managementaufgaben, d.h. Managementtätigkeiten nicht bloß als notwendiges Übel anzusehen, das rasch beseitigt (erledigt) werden muss, heißt nicht automatisch, dass ich meine Forschungsaktivitäten ganz einstellen möchte/werde. Ich werde weiterhin einige Artikel/Beiträge pro Jahr alleine oder mit MitarbeiterInnen schreiben. Ich habe jedoch Großprojekte, wie die von mir geplanten theoretischen (philosophisch inspirierten) beiden Bücher zur didaktischen Modellierung von E-Learning Szenarien vorerst auf Eis gelegt und nach hinten (wahrscheinlich in die Pension?!) geschoben. Das Ziel weiterhin an diesen Büchern zu arbeiten, die meine fast 20 Jahre anhaltenden Forschungsbemühungen auf der Basis meiner Habilitationsschrift "Der Hintergrund des Wissens" weiterführen sollen, bleibt bestehen. Das Festhalten an diesem Ziel mit der gleichzeitigen weit nach hinten stattfindenden Verschiebung hat unmittelbare Auswirkungen auf meine laufende Aktivitäten: Ich nehme einerseits nur mehr dann Einladungen zu Artikel an, wenn die Thematik zu meiner langfristigen Perspektive passt bzw. plane andererseits meine eigenen Beiträge für Konferenzen bereits auf das große Ziel meiner zukünftigen Buchpublikationen hin. Auch diese Art der Entscheidung ist nicht neu und habe ich nicht das erste Mal getroffen. Trotzdem bin ich bisher recht häufig "weich" geworden und habe Einladungen zu Beiträge für Sammelbände angenommen, auch wenn die Thematik nicht zu meinen langfristig ausgerichteten eher philosophisch orientierten Überlegungen und Literaturstudium passte. Heute hoffe ich hier nun ebenfalls erfolgreich meine Vorsätze umsetzen zu können. – Gerade auch durch meine Entscheidung mich nun ernsthafter dem Management zu widmen und den weiteren Auf- und Ausbau meiner Forscherkarriere damit vorerst "auf Eis zu legen" hoffe ich, fällt auch der Druck Einladungen wahrzunehmen, die nicht ganz in meinem langfristigen Plan passen. Ob ich mit all diesen neuen Ideen und Vorsätze Erfolg haben, wird sich jedoch erst in etwa einem Jahr zeigen. Die bisherigen Erfolge sind zu kurzfristig, sodass leider noch keine Garantie für eine gewisse Nachhaltigkeit besteht. Trotzdem: Ich bin optimistisch, wie nie zuvor!
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Lieber Peter,
ich gebe dir einerseits Recht: Management und Forschung (vielleicht sollte man als Drittes noch die Lehre hinzufügen) sind wohl in gewisser Weise zwei (bzw. drei) unterschiedliche Schwerpunkte mit entsprechend unterschieldlichen "Karrieren" in der Wissenschaft. Andererseits denke ich, dass das, was du jetzt an deiner Situation relativ extrem zeigst (besondere Position der DUK, deines Departments etc.), auch ein genereller Trend ist, an dem viele Hochschullehrer sich gerade die Zähne ausbeißen: Man soll ALLES leisten, alles bitte "exzellent" und dann auch noch so, dass es sich gut nach außen "verkaufen" lässt. Daraus folgt, dass man irgendwie versuchen muss, diese Dinge entweder besser miteinander zu verzahnen (aber zu welchem Preis?), oder - wie du das jetzt planst - bewusst ! Akzente zu setzen. Ich habe allerdings die Befürchtung, dass so etwas mittelfristig hochschulpolitisch ausgenutzt wird und man dann auf der einen Seite die impact-starken Forscher päppelt, auf der andere Seite die gewinnorientierten Manager in den Himmel lobt und (an letzter Stelle) die Lehr- und Prüfungsknechte zum Abbau doppelter Abiturjahrgänge und anderer Folgen kurzsichtiger Reformen eben so am Leben erhält.
Aber eins ist klar: Aus einer individuellen Perspektive aus betrachtet ist das wohl das einzig Richtige, was du jetzt entschieden hast (nebenbei bemerkt: ich habe in Uni-Büros noch nie sinnvoll arbeiten können und befinde mich dort schon immer nur für Gespräche, Lehre, Prüfungen, Koordnation etc.). Wer mag schon (wenn er denn nicht zwingend muss) in Büros sein Leben verbringen und wer kann da kreative Ideen hervorbringen? ;-) Ich nicht! Produktivität ist sicher nicht vom ArbeitsORT abhängig, sondern von mentaler Präsenz und guten Teams!
Ich wünsche dir jedenfalls, dass du viele deiner Vorsätze ganz lang - und damit bis zur "Pension" - umsetzen kannst! :-)
Gabi