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Re:Pattern: Strukturerhaltende Transformationen II

Kommentar von ralfhilgenstock am 10.05.2009 22:40

Nachdem ich an diesem Wochenende Helmut Leitners 'Mustertheorie' und diese Diskussion gelesen habe und das ganze mit etwas Gartenarbeit garniert habe, traue ich mich nun doch mich in die Debatte einzumischen ohne die Voraussetzung zu erfüllen 'Nature of Order' gelesen zu haben. Und - offen gestanden - weiß ich nicht, ob ich es mir antun soll.

Zunächst ein paar Fragen, die aus dem bisher Gelesenen entstanden sind:

Wir entwickelt Alexander eigentlich die 15 Eigenschaften? Welches Verfahren wendet er an, um sie abzuleiten aus seinen Erfahrungen?

Wenn ich es richtig sehe hat Alexander zuerst Patterns entwickelt, die offensichtlich durchaus als gültig und hilfreich angesehen werden. Da ich mal davon ausgehe, dass er den Überbau "Eigenschaften', 'Lebendigkeit' und 'Transformationen' im Pattern-Buch nicht absichtsvoll verschwiegen hat, sondern diese erst später entdeckt hat, ist es also offensichtlich durchaus legitim ohne Kenntnis und Durchdringung des Überbaus Patterns zu erarbeiten. Warum wird dann daraus der Pattern-Community ein Vorwurf gemacht?

Wie integriert Alexander in seinem 'Spätwerk' 'Nature of Order' eigentlich die Patterns erneut? Oder anders gefragt, was würde Alexander möglicherweise heute in einer Neufassung des Patternbuches mit der Kenntnis der Eigenschaften... anders schreiben?

Alexanders Reihenfolge war, dass er Pattern entdeckt, ein Beschreibungsverfahren und eine Validierung entwickelt und aus vielen beschriebenen Patterns Eigenschaften und mehr entwickelt. Zunächst stellt sich für mich die Frage, zu welchen Erkenntnissen der gleiche Weg in einem anderen Feld 'Pädagogik' statt 'Architektur' führt. Bestätigen sich darüber die Eigenschaften und Transformationen oder kommen wir zu Neuen? Wie müsste man dazu vorgehen?
Wozu führt andersherum der Rückweg wenn ich von den Eigenschaften und Transformationen aus starte? Werden diese dann zu Prüfsteinen für Patterns? Oder werden Sie zu den Ausgangspunkten für die theoriegeleitete Entwicklung neuer pädagogischer Patterns?
Die Prüfsteine könnte ich mir noch vorstellen als zusätzliches Beschreibungselement "Welche verschiedenen Elemente von Lebendigkeit sind im Pattern enthalten? Oder: welche Lebendigkeitsdimensionen werden von diesem Pattern angestossen?
Eine theoriegleitete Entwicklung von Patterns würde für mich das gesamte Gedankengebilde durcheinander bringen, so dass ich es nicht weiter verfolge.

Ich denke, es wäre sinnvoll, die Eigenschaften und (!) Transformationen für den pädagogischen Bereich wirklich einmal vollständig durchzuarbeiten. Da der Ausgangspunkt eLearning war, sollte im zweiten Schritt auch dies als besonderer Anwendungsfall nochmals getan werden. Dies ist mir sehr wichtig, da vielfach im Bereich eLearning das dynamisch zwischenmenschlich interaktive Element im Lernprozess ausgeblendet wird und die Kontextbestimmung und Kontextanpassung anders verläuft als in Präsenzlernsituationen. Aus der Kombination mehrerer Eigenschaften ergeben sich vermutlich spannende didaktische Konzeptionsideen.

Mehrfach wurde in der Diskussion auf die Gestaltpsychologie und die Gestaltpädagogik bezug genommen ohne jedoch konkret zu werden. Die heutige Getaltpädagogik bezieht sich meist nicht systematisch auf die Gestaltpsychologie. Die Felder haben sich auseinander entwickelt. Die Gestaltpädagogik und die Gestalttherapie würde sich einem Musteransatz vermutlich stark widersetzen. Denn gerade hier wird ja auf zwei Faktoren gesetzt 'awareness' und dem Erkennen von Handlungen, Bedeutungen und dem Finden neuer alternativer Bedeutungen, um Veränderung zu ermöglichen. Womöglich verkürze ich das hier aber auch.

Interessanter Weise gibt es in der Pädagogik/Therapie ein Feld, dass sich massiv auf Patterns bezieht. Die Entwicklung des NLP (Neurolinguistische Programmierung) basierte auf einer phänomenologisch linguistischen Analyse erfolgreicher Therapeuten unterschiedlicher Richtungen. Die daraus exzerpierten Konzepte wurden verallgemeinert und zu neuen Handlungsmustern aufgebaut, die sich durchaus erfolgreich einsetzen lassen. Dem NLP ist der Vorwurf des Mechanischen und der Manipulation gemacht worden. Wird er jedoch mit der Entwicklung einer inneren Haltung des Lehrenden (Eigenschaften und Transformationen) verbunden ist er sehr wirksam.

Da ich sehr stark von der pragmatischen Seite komme, hat sich beim Lesen in den letzten Tagen die Unzufriedenheit mit dem Begriff der Muster nochmal sehr verstärkt. Der Musterbegriff verleitet sehr stark zu einem mechanischen Denken und Handeln. Pädagogisches Handeln ist stark (sub-)kulturell und situativ beeinflusst. Situatives flexibles Handeln setzt aber Souveränität, nicht im Sinne von Überlegenheit, sondern im Sinne von Flexibilität und innerer Bereitschaft Fehlerrisiken einzugehen und ohne innerem Gesichstverlust korrigieren zu können. Dazu fällt mir dann der Begriff der Haltung und damit der Beziehungsgestaltung Lehrer-Schülergruppe ein.

Ein Versuch das zu übersetzen führt bei mir zu folgendem ersten Versuch:
1. Eigenschaften und Transformationen = Haltung und mentale Denkmodelle des Lehrenden
2. Situative Problemidentifikation
3. Pattern = Erinnern an Grundsatz zur Problemlösung in ähnlichen Situationen
4. Schemata (Vorlage zur Umsetzung) = grundsätzliche Schrittfolge des Vorgehens
5. Unterrichtsentwurf = Anwendung des Schemas auf den Inhalt/Lernziel und Kontext (Unterrichtsmaterial)
6. Gelebte Umsetzung

Von 1-6 ergibt sich das Alltags-Handlungsmuster des Pädagogen. Bei der Erarbeitung von Pattern aus der gelebten Praxis wird der Rückweg von 6 -> 1 gemacht wobei 3 und2 zusammen gefasst werden.

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