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30.12.2007
ArtikelaktionenLaTeX: Der Stoff aus dem meine Träume (der letzten Tage) sindVon LateX, ConteXt, TeTeX und anderem UngezieferDer nachfolgende Beitrag war ursprünglich als eine Zusammenfassung meiner ersten Erfahrungen mit LaTeX geplant. Beim Schreiben aber hat er sich nach allen Richtungen ausgedehnt: Ausgehend von einem speziellen Problem der Literaturverwaltung habe ich begonnen über allgemeine Problemen von Open Source Software und einer (angedeuteten) Kritik an der kapitalistischen Produktionsweise zu reflektieren und dabei auch Literatur verarbeitet, die ich in den letzten beiden Monaten gelesen habe. So ist der Beitrag zu einem Rundumschlag, zu einem sich nach allen Seiten ausdehnendes Ungeheuer geworden: Mir aber haben diese Reflexionen Spass gemacht und vielleicht gefallen sie Ihnen auch? Die letzten Tage (und Nächte!) war ich damit beschäftigt mich in LaTeX einzuarbeiten. Deshalb der etwas zweideutige Titel dieses Beitrages. Nach einer anfänglichen Euphorie sind nun in den "Niederungen" des Arbeitsalltags die ersten praktischen Probleme aufgetaucht. Die Suche nach Abhilfen hat interessante Lösungsmuster ergeben, die weit über das direkte Problem mit LaTeX hinausgehen und wahrscheinlich für Open Source Software generell typisch sind. Literaturverwaltung als BeispielAls Ausgangsbeispiel für meine Überlegungen dient das Generieren eines Literaturverzeichnisses. Das ist für mich ein essentielles Problem: Meine über 3.000 Einträge (!)) verwalte ich mit EndNote. Das komfortable Zusammenspiel meiner Bibliografie-Software mit einem neuen Texteditor ist für mich daher sehr wichtig.
Gerade weil Endnote – nach einigem Herumfummeln und Lesen im Handbuch – recht gut mit Word zusammenarbeitet, bin ich bisher nicht völlig auf NeoOffice (OpenOffice für den Mac) umgestiegen. Und das obwohl mir NeoOffice extrem gut gefällt, weil es extrem schnell und komfortabel ist und auch ein sehr gutes User Interface hat. (Siehe dazu auch meinem Beitrag in diesem Weblog.) Daraus lässt sich gleich einmal eine erste - sehr allgemeine - Schlussfolgerung ziehen Sytemperspektive einnehmen:Ob das Umsteigen auf eine neue Software Vorteile hat, lässt sich nicht bloß durch ihre Funktionen in der Stand-alone Nutzung des Programms selbst ermessen. Beurteile die Vor- und Nachteile der Software in Deinem jeweiligen Arbeitskontext indem Du Deinen gesamten Arbeitsprozess (Workflow) untersuchst. Die Evaluierung erfolgt daher auf einer Metaebene bzw. aus einer Systemperspektive heraus. Die Qual der Wahl
Ich will hier aber nicht auf die gesellschaftspolitischen Konsequenzen abzielen, sondern auf eine ganz andere Eigenart von Open Source Software, nämlich der unheimlich - häufig beängstigenden Vielfalt der Möglichkeiten. Weil der Quellcode offen ist können EntwicklerInnen Anpassungen und Weiterentwicklungen vornehmen. Auf der Basis einer fruchtbringenden grundlegenden Idee werden nicht nur viele ergänzende Module und Werkzeuge entwickelt, sondern auch verschiedene Konzepte generiert, deren Umsetzung jeweils unterschiedliche Richtungen bzw. Spezialisierungen bedeuten. Für "normale" AnwenderInnen entsteht dadurch eine scheinbar unübersichtliche Vielfalt von Möglichkeiten und Optionen.
LaTeX, ConTeXt, XeTeX und andere UngezieferDoch kehren wir psychologischen oder gar gesellschaftspolitischen Betrachtungen wieder zu unserem Open Source (LaTeX)-Auswahlproblem zurück: Welche Version der Software auswählen?Wenn Sie denken, dass es wohl am Besten ist, die letzte (stabile) Version zu nehmen, dann ist das zwar richtig aber bei Open Source für einen Laien nicht immer leicht zu überschauen:
Welche Entwicklungsrichtung auswählen?Diese Problematik trifft ganz besonders auf LaTeX (sprich Latech oder Laytech, auf jeden Fall das "X" wie das deutsche "CH" in Blech) zu: Nachdem einmal die erste Verwirrung überwunden wurde – ja richtig: LaTeX ist eine Software und hat nichts mit Kondomen oder anderen suspekten Kleidungsstücken zu tun! – stellt sich die Frage nach der der Entwicklungsrichtung bzw. den zu verwendenden Modulen.
TeX ist eine Auszeichnungssprache (Markup Language, ML), d.h. die Auszeichnungen im Text dienen als Anweisungen für Darstellung und Druck. Der Text in den Quelldateien wird dabei mit Tags an den entsprechenden Stellen markiert (ausgezeichnet) um schließlich von einem Programm interpretiert bzw. kompiliert zu werden. Die Grenzen zwischen Textverarbeitung und Programmiersprache verwischen sich damit. Das hat zweierlei Konsequenzen:
Fazit: Keine Systemumgebung gleicht der anderen! Für normale AnwenderInnen sind die Folgen desaströs:
Aus diesen Dilemma lässt sich schon weit schwieriger eine befriedigende Schlussfolgerung ziehen. Das Problem besteht darin, dass wir immer erst nach dem Versuch klüger sind, also Trial and Error nicht vermeidbar sind. Trotzdem möchte ich – zumindest für mich – meine Erfahrungen folgendermaßen zusammenfassen: Leidensdruck abbauen, Risiko minimieren und Win-Win Situation schaffen
Odysee der Erstellung einer Literaturliste
Nun aber zurück zu dem anfangs erwähnten Bibliografie-Problem. Doch Schritt für Schritt – zuerst einmal gab es Erfolgserlebnisse Bei der Installation gab es glücklicherweise keine großen Optionen: Zur MacTeX Distribution der TeX Users Group (TUG) gibt es seit kurzem eigentlich keine Alternative mehr. Es handelt sich um eine sehr umfangreiche Distribution, die alles notwendige Zubehör in einem einfachen Installationsvorgang mit liefert. Kein Herumfummeln mit (für mich) unbekannten Befehlen auf der Ebene der Kommandozeilen des Terminals. Kein Setzen von Schaltern in Präferenzdateien, kein Suchen, Herunterladen und Installieren von zusätzlichen (Patch)Dateien. Einfach Installer herunterladen und dem Installationsvorgang folgen. (siehe meine Beschreibung dazu.) Es wird TeXShop als Frontend installiert und vor allem auf LaTeX 2€ abgezielt, obwohl es – versteckt im Auswahlmenü auch andere Optionen gibt (Plain TeX, ConTeXt, XeLaTeX, XeTeX). Soweit, so gut. Nun beginnen aber die Schwierigkeiten: Nachdem ich noch recht rasch ein geeignetes Einsteigerhandbuch gefunden habe und auch die ersten Tests recht erfolgreich verliefen, tauchten im Zusammenhang mit der Erstellung der Literaturliste erste Schwierigkeiten auf:
Und hier beginnen nun die eigentlichen Schwierigkeiten!
Ich könnte sie würgen, unsere amerikanische Freunde! Eigentlich würde man glauben, dass die Zeiten der Vorherrschaft des ASCII-Codes - der nur 128 Zeichen kennt - vorbei sind. Offensichtlich ist dem aber nicht so, wie neuere Brandreden an die Adressen von Programmierer und Systementwickler zeigen (ein übrigens sehr gut geschriebener und äußerst informativer Artikel!) Also rein in die Präferenzen und herumgefiddelt mit den Zeichensätzen: Umstellung auf Unicode, am besten utf8- da habe ich gehört, das soll wirken. Ich bilde mir ja nicht viel ein, aber ich glaube doch, dass dies nicht gerade ein Standardwissen für jeden ist. Aber gut, man/frau ist ja schließlich nicht auf der Nudelsuppe daher geschwommen und schließlich braucht es ja eine Herausforderung, damit Freude auftaucht und nachhaltig wirken kann. Dass die Umstellung auf den nicht konformen Zeichensatz wieder (später) andere (Konvertierungs-)Probleme mit sich gebracht hat, will ich nicht verschweigen. Es muss nämlich eine eigenes Paket mit dem bezeichnenden Namen Babel mit dem Befehl Die Lösung scheint in der Erstellung eines eigenen Zitierstiles für BibTeX (Sie wissen noch? Das Makropaket für Bibliografien…) zu bestehen. Also jetzt BibTeX lernen? Woher eine aktuelle Dokumentation bekommen? Die Suche nach Lösungen im Internet eröffnet eine immer größere Komplexität: Da gibt es hunderte (wörtlich!) von BibTex geeigneten Zitierstilen (Dateien mit der Endung bst), da müsste doch ein geeigneter dabei sein? Die Suche nach Ressourcen führt mich letztlich auf die ultimative TeXWebseite der CTAN:
Es stellt sich heraus, dass die meisten der Zitierstile sowieso davon bereits von den TUG-Leuten in der Distribution verpackt worden. (Ein Prosit nach Portland/USA!- ich habe natürlich die beiliegenden kleingedruckten Dateien, was wohin alles vom Installer kopiert wurde, nicht gelesen. Hätte ja auch zum damaligen Zeitpunkt keinen Sinn gemacht. Was hätten mir auch schon Dateien wie abbrv.bst oder natabib (das ist die mit den Klammernausdrücken!) schon gesagt. Auf meinem Boden häufen sich die Audrucke: BibTeX Tips and FaQs, A BibTeX Guide via Example, Customizing Bibiografic Style Files, BibTeXting, Tame the BeaST - The B to X of BibTeX, sowie Natural Science Citation and References (Auhor-Year and Numerical Schemes). Um nur eine bescheidene aber sehr bezeichnende Auswahl zu nennen und amit ihr da draußen wisst, wie ich so die Weihnachten verbracht habe… Einige - und vor allem die für deutsche Zitierungen vorgesehenen - Literaturstile bringen in BibDesk (Sie erinnern sich noch? - das Frontend für die Benutzung der Zitierstile) in der Vorschau eine Fehlermeldung. Es funktioniert zwar mit LaTeX, dh. ich kann meinen Text in TeXShop (Sie erinnern sich noch? - Das Frontend für LaTeX) als PDF generieren, aber die Fehlermeldung von BibTeX verunsichert mich. Ich habe das BeaST verflucht und die (dürftige) Dokumentation von vorne bis hinten mehrfach gelesen. Soll ich in die Mailingliste - von was eigentlich: LaTeX, TeXShop oder BibTeX? - einsteigen? Letztlich finde ich endlich ein Programm (von Patrick Daly, einem der LaTeX Gurus), das mit einer interaktiven Abfrage den gewünschten Zitierstil zumindest annähernd automatisch erstellt. Ich hole mir das Programm und erstelle meinen ganz persönlichen Literaturstil, den ich bezeichnenderweise peter.bst taufe. Es werden dazu alle möglichen Optionen (ich glaube es sind an die 50-60) abgefragt, aber glücklich bin ich immer noch nicht (ganz). Schließlich soll es bei mir "Hg." und nicht "Herausgeber" heißen. Ganz abgesehen von der damit aufgeblasenen Länge der Literaturliste gibt es ja schließlich auch noch die Genderfrage zu beachten :-) Lyx gehabt: Ende gut – alles gut!Ich brauche wohl nicht zu verhehlen, dass mich um die Weihnachtsfeiertage ein gewisses Tief erfasst hat. Sowohl mein Drucker als auch ich bin etwas heiß gelaufen nachdem ich drei 3 volle Tage auf der Suche der Suche nach einer geeigneten Lösung war. Eigentlich wollte ich an meinem neuen Buch schreiben - aber glücklicherweise ist da ja auch ein Kapitel "Zitieren" vorgesehen. Und ein eigenes Kapitel über LaTeX - wenn es dann dann doch funktioniert - ist ja vielleicht auch noch zu überlegen. In solchen Situationen ist es oft sinnvoll "aus dem System aus zusteigen" und auf eine andere (höhere oder niedere) Ebene zu wechseln: Vielleicht soll ich statt BibDesk eine anderes Frontend für die Bibliografie-Datenbank nehmen (ich habe kurz mit Bookends experimentiert; oder vielleicht soll ich statt TeXShop die andere Mac Alternative iTeXMac verwenden? Soll ich auf ConTexT oder XeTeX umsteigen? Nachdem ich mit allem ein wenig herum probiert habe, habe ich es bald wieder aufgegeben. Es sind ja alles nur Alternativen auf der gleichen Ebene und stellen keine Metaebene dar. Statt LaTeX ConTeXt oder XeTeX; statt TeXShop iTeXMac; statt BibDesk Bookends oder vielleicht gar Endnote mit Zusatzkonvertern zu verwenden, bedeutet keinen Systemausstieg sondern nur eine alternative Wahl auf derselben Ebene (siehe obige Farbgrafik). Entweder ich steige ganz aus und freunde mich zähneknirschend mit den Möglichkeiten von Word (oder NeoOffice) an, oder ich wechsle die Systemebene. Ich habe dazu wieder zwei Möglichkeiten:
Und tatsächlich: Es gibt mit LyX (sprich Licks oder auch Lücks, ich ziehe letzteres vor) ein solches Programm. Auch wenn die Website nicht gerade einladend aussieht, LyX ist einfach super. Es läuft unter der Mac Aqua-Umgebung und erscheint auf dem ersten Blick als ganz normales Textverarbeitungsprogramm. Es versteckt damit die darunter liegende LaTeX und TeX-Ebene fast vollständig. Trotzdem aber lassen sich bei Sonderwünschen LaTeX-Programmbefehle direkt eingeben. Über ein eigenes Fenster kann betrachtet werden, wie LyX die verschiedenen normalen Textverarbeitungsbefehle in LaTeX-Befehle umsetzt. Damit lässt sich LyX auch als ein angenehmes Lernwerkzeug für LaTeX verwenden. Letztlich habe ich mit meiner Odysee Glück gehabt ("Lyx gehabt"). Doch über die Vorzüge von LyX möchte ich detaillierter ein anderes Mal schreiben. [PS.: Wenn Sie sich die Vergrößerungen der beiden Bilder LyX UI-Beispiel und TeXShop UI-Beispiel klicken, sehen Sie sofort mit einem Blick den riesigen Unterschied in der Bedienbarkeit. Beides sind Front Ends zu LaTeX. Während aber TeXShop die Programmierumgebung nicht leugnen kann, muss man schon bei LyX das Fenster (unten) aufmachen, um dem Programm unter die Haube schauen zu können.]
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Hallo Herr Baumgartner!
Erstmal Prosit Neujahr!
Bzgl. BibTeX: es gibt ein Package, das Zitate ins APA Format bringt - genau wie Sie es brauchen, und zwar apacite.sty
\usepackage{apacite}
\bibliographystyle{apacite}
\bibliography{...}
Bzgl. Umlaute kenne ich
\usepackage[applemac]{inputenc}
Ich selbst (Windows) verwende immer
\usepackage{german}
\usepackage[ansinew]{inputenc}
Großschreibung hatte ich bisher immer die einfache Variante gewählt, die entsprechenden Buchstaben in geschwungene Klammern zu setzen. Beispiel:
@incollection{Wessner2003,
author = {Martin Wessner},
title = {E-learning -- quo vadis?},
booktitle = {Wirkungen und {W}irksamkeit {N}euer {M}edien in der {B}ildung},
publisher = {Münster u.a.:\,Waxmann},
pages = "209--217",
editor = {R Keil-Slawik and M Kerres},
year = 2003 }
Ich habe erst kürzlich die open source software zotero zur Literaturverwaltung entdeckt. Zotero kann auch BibTeX importieren und aus zotero in BibTeX exportieren. Es gibt auch eine Open Office Integration, die ähnlich wie EndNote oder BiBTex aus der Literaturdatenbank heraus Bibliographien und Zitate im Text erstellen kann.
Liebe Grüße
BZ
PS: ich verwende LaTeX seit 10 Jahren (mehr oder weniger häufig). Also wenn Sie mal konkrete Fragen haben... Sehr zu emfehlen ist außerdem die FAQs auf dante.de (http://www.dante.de/faq/de-tex-faq/html/de-tex-faq.html) und das LaTeX Forum auf mruni.de (http://www.mrunix.de/forums/forumdisplay.php?f=38). Außerdem hört man viel vom "LaTeX Companion". Ich selbst habe in Buchform nur ein kleines Einführungsbuch, das mir sehr gute Dienste geleistet hat: LaTeX Einführung von Helmut Kopka.
Nachtrag: einschränkend muss ich sagen, dass ich ja Windows verwende und daher keine Ahnung habe, wie LaTeX unter Mac funktioniert...
Hi,hi - da kommunizieren wir über das Weblog... Wenn ich das früher gewusst hätte, dass Sie eine LaTeX-Nutzerin sind! Ich komme auf das Angebot zum Fragen sicherlich noch zurück - LaTeX am Mac dürfte/sollte im Prinzip gleich funktionieren. --- Ach ja: Zotero habe ich auch gerade (über die Weihnachtsfeiertage) kennengelernt und installiert. Ist super!