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Re:GLL-04: Auch Objekte sind Handlungsträger

Kommentar von baumgartner am 15.11.2009 12:53

Deine Illustrationen zu "Formen der Unsichtbarkeit" finde ich sehr anregend. Ich habe allerdings das Beispiel von Bohm erst (einigermaßen) verstanden, nachdem ich mir die Abbildung heruntergeladen habe. Vorher konnte ich mir das mit den beiden Zylindern nicht gut vorstellen.

– Ist das wirklich so, dass der Tropfen wieder erscheint, wenn ich den inneren Zylinder mit der gleichen Anzahl von Umdrehungen wieder zurück drehe? Das ist ja ein Hammer! Die Analogie der "Unsichtbarkeit 2. Ordnung" von Physik (Bohm) und Sozialwissenschaft (Latour) ist ein weiteres Beispiel das zeigt, dass Sozial- und Naturwissenschaften gar nicht so unterschiedlich auf einer tieferen, grundsätzlichen Ebene funktionieren.

Und hier kommt mein Problem: Diese Einschränkung (tiefere, grundsätzliche Ebene) mache ich, weil wir ja alle durch die Diskussion im Anschluss an Dilthey (http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Dilthey) vor allem aber – und mir weit besser bekannt – durch den sog. Positivismusstreit (http://de.wikipedia.org/wiki/Positivismusstreit) gerade ja auch immer auf die Unterschiede (in der Methode, Theoriebildung etc.) zwischen Natur- und Sozialwissenschaften hinweisen.

So wie ich es sehe, ist es am ANT-Ansatz wesentlich, dass die Sonderstellung des Sozialen (in der Bedeutung von Nr.1, dem Kitt) für die Gesellschaftswissenschaften aufgegeben wird: Und trotzdem wird nicht automatisch eine positivistische Folie des Naturbilds auf die Soziologie gelegt, sondern umgekehrt: Auch in den Naturwissenschaften ist nicht alles so wie es scheint, gibt es ein gehöriges Maß an Beobachter-Relativität. Natur wie Gesellschaft sind beide Kollektoren, wie Latour sagt (192), sind assoziierte Produkte, deren Bestandteile in ihrer Entwicklung und Interaktion untersucht werden müssen. Aber nicht etwa weil sie bloß verschiedenen interpretiert werden könnten, sonderen weil sich die "Tat"-Sachen selbst vielfältig entfalten können, vielfältige Existenzformen annehmen können, wir daher nicht in einem Universum, sondern in einem Pluriversum (William James) leben.

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